Die Fähigkeit, das eigene Lernen zu steuern und zu reflektieren, ist im modernen Bildungssystem von zentraler Bedeutung. Besonders in der Ausbildung zur Sozialen Assistenz, wo Lernende kontinuierlich neues Wissen aufnehmen und anwenden müssen, spielt selbstreguliertes Lernen eine entscheidende Rolle. Aber was genau bedeutet dieser Begriff, und warum ist er so relevant?


Selbstreguliertes Lernen?

Selbstreguliertes Lernen (SRL) beschreibt einen aktiven Prozess, bei dem Lernende eigenständig Ziele setzen, Strategien entwickeln und den Fortschritt überwachen. Der Sozialkognitionsforscher Barry Zimmerman entwickelte dazu ein Modell, das den Prozess unterteilt in…

3 zentrale Phasen

  1. Planungsphase: Lernende setzen sich Ziele, planen ihre Schritte und wählen geeignete Ressourcen aus. Hierbei spielt die Selbsteinschätzung eine wichtige Rolle.
  2. Durchführungsphase: In dieser Phase wenden die Lernenden ihre Strategien an und überprüfen kontinuierlich den Fortschritt.
  3. Reflexionsphase: Abschließend bewerten die Lernenden ihre Ergebnisse, reflektieren den Prozess und ziehen Schlüsse für zukünftiges Lernen (Zimmerman, 1989).

Dieses Modell hilft nicht nur dabei, Lernprozesse zu strukturieren, sondern stärkt auch die Eigenverantwortung und Flexibilität der Lernenden.

In der Ausbildung zur Sozialen Assistenz wird nicht nur theoretisches Wissen vermittelt. Die Fähigkeit, sich an neue berufliche Herausforderungen anzupassen, ist essenziell. Selbstreguliertes Lernen fördert genau diese Anpassungsfähigkeit, indem es die Kompetenz zur eigenverantwortlichen Planung und Reflexion stärkt.

Wie John Hattie betont, ist das „Sichtbarmachen“ von Lernprozessen ein zentraler Faktor. Lernende, die ihren Fortschritt erkennen und dokumentieren können, entwickeln ein stärkeres Gefühl der Selbstwirksamkeit und sind motivierter (Hattie & Zierer, 2022). Zusätzlich unterstreicht die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan, dass Lernende in einem Umfeld, das Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit fördert, nachhaltiger lernen und motivierter sind (Deci & Ryan, 2000). Gerade in sozialen Berufen, in denen Flexibilität und Eigenverantwortung gefragt sind, ist diese Grundlage entscheidend.

Eine besondere Herausforderung besteht darin, Lernende auf diesem Weg zu begleiten. Lehrkräfte übernehmen nicht nur die Rolle der Wissensvermittler, sondern agieren auch als Reflexionsbegleiter. Jaszus und Büchin-Wilhelm (2022) beschreiben dies als „doppelten pädagogischen Bezug“: Lehrende bieten Orientierung und Inspiration, regen aber auch dazu an, eigenständig zu denken und zu handeln.

Selbstreguliertes Lernen erfordert von Lernenden ein hohes Maß an Eigeninitiative und Durchhaltevermögen. Gleichzeitig bieten digitale Tools, wie im ersten Artikel vorgestellt, wertvolle Unterstützung, indem sie Struktur und Transparenz schaffen.

Eine zentrale Erkenntnis ist: Lernende benötigen eine klare Anleitung und gleichzeitig Freiräume, um ihre Strategien zu entwickeln. Dies gilt besonders in einer sich wandelnden Berufswelt, in der eigenverantwortliches Handeln immer wichtiger wird.

Fazit

Selbstreguliertes Lernen ist ein Schlüssel zur langfristigen beruflichen Entwicklung. Die Förderung dieser Kompetenz in der Ausbildung zur Sozialen Assistenz bereitet Lernende optimal auf die Herausforderungen des Berufslebens vor. Dabei zeigt sich: Mit der richtigen Balance aus Anleitung und Freiraum sowie dem Einsatz geeigneter Tools wird eigenständiges Lernen nicht nur möglich, sondern auch nachhaltig effektiv.

Im nächsten Artikel widmen wir uns der Frage, wie digitale Tools dieses Konzept in der Praxis konkret unterstützen können.

Dies ist der zweite Teil der Artikelserie „Digitale Tools an der Berufsfachschule“. Anlass und Grundlage dieser Serie war mein wissenschaftlicher Praktikumsbericht im Wintersemester 2024\2025 im Rahmen meines Masterstudiums Erziehungswissenschaft an der Universität Hildesheim.
Quellen

Zimmerman, B. J. (1989). A Social Cognitive View of Self-Regulated Academic Learning. Journal of Educational Psychology, 81(3), 329–339.

Hattie, J., & Zierer, K. (2022). Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen: Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von “Visible Learning for Teachers” (3. Auflage). Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Deci, E. L., & Ryan, R. M. (2000). Intrinsic and extrinsic motivations: Classic definitions and new directions. Contemporary Educational Psychology, 25(1), 54–67.

Jaszus, R., & Büchin-Wilhelm, I. (2022). Didaktik der Sozialpädagogik: Grundlagen für die Lehr-/Lernprozessgestaltung im Unterricht. Hamburg: Handwerk und Technik.

Prengel, A. (2019). Pädagogische Beziehungen zwischen Anerkennung, Verletzung und Ambivalenz. Opladen: Verlag Barbara Budrich.

Esslinger-Hinz, I., & Sliwka, A. (2021). Schulpädagogik (2. Auflage). Weinheim: Beltz.

Quelle des Artikelbildes: Pixabay 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

16 + 10 =