Der dritte Teil unserer Blog-Serie widmet sich dem praktischen Einsatz digitaler Tools in der Ausbildung zur sozialen Assistenz. Nachdem wir in den ersten Beiträgen die theoretischen Grundlagen des selbstregulierten Lernens und die Rolle digitaler Medien beleuchtet haben, möchten wir nun den Fokus auf die konkrete Anwendung legen.

Struktur und Selbstorganisation

IServ, eine Schulplattform, wurde als zentrales Tool zur Aufgabenverwaltung und Kommunikation genutzt. Für die Schüler*innen ermöglichte die Plattform, Abgabefristen zu überwachen, Unterrichtsmaterialien zu organisieren und eigenverantwortlich an Aufgaben zu arbeiten. Diese Funktionen förderten insbesondere die Selbstorganisation und die Transparenz im Lernprozess.

Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie effektiv diese Struktur sein kann: Im Rahmen eines Projekts zur Entwicklung von Lerntheken dokumentierten die Schüler*innen ihre Fortschritte selbstständig auf IServ. Durch klare Abgabestrukturen und Fristen gewannen sie Sicherheit im Umgang mit eigenständigem Arbeiten – ein zentraler Schritt zur Entwicklung beruflicher Kompetenzen.

Laut Esslinger-Hinz und Sliwka (2021) trägt eine strukturierte Plattform wie IServ dazu bei, das Verantwortungsbewusstsein der Lernenden zu stärken und Transparenz in den Lernprozess zu bringen. Dies deckt sich mit den praktischen Erfahrungen aus meinem Unterricht.

Interaktive Beteiligung und Motivation

Mentimeter wurde als kreatives Werkzeug genutzt, um die Motivation und das Engagement der Schüler*innen zu steigern. Es ermöglichte beispielsweise anonymes Brainstorming zu komplexen Themen wie „Erziehung und Bildung“. Die direkte Visualisierung der Ergebnisse förderte nicht nur die aktive Teilnahme, sondern auch ein offenes Lernklima.

Die Anonymität, die Mentimeter bietet, reduzierte den Druck auf die Schüler*innen und ermutigte sie, eigene Ideen ohne Angst vor Bewertung einzubringen. Diese Form der Partizipation stärkt das Gefühl von Autonomie – ein entscheidender Faktor für intrinsische Motivation, wie Deci und Ryan (2000) in ihrer Selbstbestimmungstheorie beschreiben.

Ein bemerkenswerter Moment war, als die Schüler*innen selbst Themenvorschläge machten, die sie im weiteren Unterricht vertiefen wollten. Dadurch wurde deutlich, wie interaktive Tools dazu beitragen können, Eigenverantwortung und Beteiligung nachhaltig zu fördern.

Projektarbeit im Fokus

Taskcards erwiesen sich als das vielseitigste Werkzeug für die Umsetzung selbstregulierten Lernens. Die Plattform wurde in mehreren Phasen eingeführt, beginnend mit einfachen Info-Boards bis hin zur eigenverantwortlichen Bearbeitung von Projekten.

Ein Beispiel aus dem Unterricht war die Dokumentation einer fiktiven Teamsitzung in einem Familienzentrum. Die Schüler*innen planten die Sitzung selbstständig, dokumentierten ihre Fortschritte und präsentierten ihre Ergebnisse der Klasse. Dieser transparente Prozess ermöglichte nicht nur die Reflexion über die eigene Arbeit, sondern auch den Vergleich mit anderen Gruppen.

Laut Hattie und Zierer (2022) ist die Sichtbarkeit des Lernprozesses ein zentraler Faktor für den Lernerfolg, da sie den Schüler*innen ermöglicht, ihren Fortschritt selbst zu bewerten und anzupassen. Taskcards bot hier die ideale Plattform, um diese Reflexionsmöglichkeiten zu schaffen.

Herausforderungen im praktischen Einsatz

Trotz der vielen Potenziale gab es auch Herausforderungen. Die technische Ausstattung der Schüler*innen war nicht immer ausreichend, und nicht alle konnten jederzeit auf die Plattformen zugreifen. Auch datenschutzrechtliche Aspekte, wie die Nutzung von Tools wie Padlet, schränkten die Auswahl ein.

Dennoch zeigt sich: Mit gezielter Einführung und Begleitung durch die Lehrkraft lassen sich digitale Tools effektiv in den Unterricht integrieren. Wichtig ist, technische und didaktische Anforderungen aufeinander abzustimmen, wie Kerres (2018) betont.

Fazit

Der praktische Einsatz digitaler Tools in der Ausbildung zur sozialen Assistenz bietet zahlreiche Chancen, Eigenverantwortung, Motivation und Reflexionsfähigkeit der Schüler*innen zu fördern. Durch die Kombination aus Struktur (IServ), interaktiver Beteiligung (Mentimeter) und Transparenz (Taskcards) können Lernprozesse nachhaltig verbessert werden.

Im nächsten Artikel widmen wir uns den spezifischen Herausforderungen, die mit dem Einsatz digitaler Tools einhergehen, und zeigen Lösungsansätze auf.

Dies ist der dritte Teil der Artikelserie „Digitale Tools an der Berufsfachschule“. Anlass und Grundlage dieser Serie war mein wissenschaftlicher Praktikumsbericht im Wintersemester 2024\2025 im Rahmen meines Masterstudiums Erziehungswissenschaft an der Universität Hildesheim.
Quellen

Quelle des Artikelbildes: Pixabay

Zimmerman, B. J. (1989). A Social Cognitive View of Self-Regulated Academic Learning. Journal of Educational Psychology, 81(3), 329–339.

Hattie, J., & Zierer, K. (2022). Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen: Überarbeitete deutschsprachige Ausgabe von “Visible Learning for Teachers” (3. Auflage). Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.

Deci, E. L., & Ryan, R. M. (2000). Intrinsic and extrinsic motivations: Classic definitions and new directions. Contemporary Educational Psychology, 25(1), 54–67.

Jaszus, R., & Büchin-Wilhelm, I. (2022). Didaktik der Sozialpädagogik: Grundlagen für die Lehr-/Lernprozessgestaltung im Unterricht. Hamburg: Handwerk und Technik.

Prengel, A. (2019). Pädagogische Beziehungen zwischen Anerkennung, Verletzung und Ambivalenz. Opladen: Verlag Barbara Budrich.

Esslinger-Hinz, I., & Sliwka, A. (2021). Schulpädagogik (2. Auflage). Weinheim: Beltz.

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