Der praktische Einsatz digitaler Tools in der Ausbildung zur sozialen Assistenz zeigt eindrucksvoll, wie Technik das Lernen bereichern kann. Gleichzeitig offenbaren sich im Schulalltag auch Grenzen und Hürden, die nicht ignoriert werden dürfen. In diesem Artikel teile ich meine Erfahrungen mit den Tools IServ, Mentimeter und Taskcards und reflektiere ihre Stärken sowie die Herausforderungen, denen ich begegnet bin.
Struktur schafft Verantwortung
IServ hat sich als nützliches Werkzeug für das Management von Aufgaben und die Kommunikation zwischen Lehrkräften und Schülerinnen bewährt. Die Plattform bietet eine Übersicht über Abgabefristen, Anforderungen und wichtige Dokumente. Durch die Nutzung konnten die Schülerinnen zunehmend Verantwortung für ihre Lernprozesse übernehmen. Die Transparenz der Plattform half dabei, klare Strukturen zu schaffen, was insbesondere lernschwächeren Schüler*innen zugutekam.
Herausforderung: Trotz dieser Vorteile stieß die Plattform bei einigen Schüler*innen auf Skepsis. Das veraltete Design und die mitunter komplexe Benutzeroberfläche minderten die Motivation, sich intensiv mit der Plattform auseinanderzusetzen. Technische Schulungen und gezielte Anleitung waren notwendig, um Akzeptanz und Nutzungskompetenz zu fördern.
Beteiligung leicht gemacht
Mentimeter erwies sich als ausgezeichnetes Tool, um die aktive Teilnahme der Schülerinnen zu steigern. Durch die anonyme Beitragsmöglichkeit konnten auch jene Schülerinnen ihre Ideen einbringen, die sonst eher zurückhaltend sind. Besonders hilfreich war das Tool bei Brainstorming-Sessions oder beim Sammeln von Meinungen, da die Ergebnisse sofort sichtbar und für alle zugänglich waren.
Herausforderung: Der Erfolg von Mentimeter hing stark von der technischen Infrastruktur ab. Eine instabile Internetverbindung oder fehlende Geräte auf Seiten der Schüler*innen erschwerten die Nutzung. Solche technischen Hürden machten deutlich, wie wichtig eine solide Ausstattung im digitalen Unterricht ist.
Vom Info-Board zur Projektdokumentation
Taskcards bot eine besonders vielseitige Möglichkeit, die Selbstorganisation der Schüler*innen zu fördern. Die Plattform wurde schrittweise eingeführt, beginnend als digitales Info-Board und später zur Dokumentation und Strukturierung von Projekten genutzt. Diese flexible Einsatzweise ermöglichte den Lernenden, eigene Lernprozesse zu planen und zu reflektieren. Ein Highlight war die Anwendung von Taskcards in einer Gruppenaufgabe zur Planung und Reflexion fiktiver Teamsitzungen.
Herausforderung: Wie bei Mentimeter stellten technische Barrieren eine Herausforderung dar. Darüber hinaus erforderte die Einarbeitung in die Plattform eine hohe Bereitschaft zur Umstellung, insbesondere für Schüler*innen, die zuvor kaum mit digitalen Tools gearbeitet hatten. Die Rolle der Lehrkraft als motivierende und strukturierende Begleitung war hier entscheidend.


Erkenntnisse aus der Praxis
Die Integration digitaler Tools in den Unterricht bietet große Chancen, fordert jedoch auch Anpassungen im Schulalltag. Entscheidend ist eine ausgewogene Kombination aus technischen Ressourcen und didaktischer Anleitung:
- Stärken: Digitale Tools schaffen Transparenz, fördern die Eigenverantwortung und ermöglichen eine partizipative Unterrichtsgestaltung.
- Herausforderungen: Technische Ausstattung, Benutzerfreundlichkeit und Datenschutz erfordern kontinuierliche Reflexion und Anpassung.
Die Praxis hat gezeigt, dass digitale Tools keine isolierten Lösungen sind. Sie müssen in ein durchdachtes Gesamtkonzept eingebettet werden, um ihre Wirkung voll zu entfalten. Dabei spielen Lehrkräfte eine zentrale Rolle: Sie sind nicht nur technische Begleiter*innen, sondern auch Vorbilder in der Reflexion und Selbstorganisation.
Im nächsten Artikel widmen wir uns den konkreten Projekten, die mit digitalen Tools umgesetzt wurden, und zeigen, wie diese Aufgaben das selbstregulierte Lernen der Schüler*innen gestärkt haben.
Dies ist der vierte Teil der Artikelserie „Digitale Tools an der Berufsfachschule“. Anlass und Grundlage dieser Serie war mein wissenschaftlicher Praktikumsbericht im Wintersemester 2024\2025 im Rahmen meines Masterstudiums Erziehungswissenschaft an der Universität Hildesheim.
Quellen
Quelle des Artikelbildes: Pixabay
Abb. 1: Screenshot meiner taskcard-Pinnwand „Willkommen in der Wissenschaft“
Abb. 2: Screenshot meiner taskcard-Pinnwand „Kinderrechte“
Websites
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